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Lugano Dance Project widmet sich dem Tanz als kulturellem Erbe

Lugano Dance Project widmet sich dem Tanz als kulturellem Erbe
Von Mittwoch, 10. Juni, bis Sonntag, 14. Juni 2026 kehrt das Lugano Dance Project mit seiner dritten Ausgabe zurück. Das biennale Festival für zeitgenössischen Tanz am LAC Lugano Arte e Cultura widmet sich dem Dialog zwischen Tanz und kulturellem Erbe. Während fünf Tagen bietet Lugano ein vielfältiges Programm mit Aufführungen, ortsspezifischen Performances, Workshops, Begegnungen, Podiumsdiskussionen und Filmvorführungen.

Im Zentrum der dritten Ausgabe stehen international bekannte Namen der zeitgenössischen Tanzszene: Kyle Abraham, Pina Bausch / Meryl Tankard, Cecilia Bengolea, Chiara Bersani, Hamdi Dridi, Ghida Hachicho, Trajal Harrell, Yasmine Hugonnet, Camilla Parini und Omar Rajeh. Die Veranstaltungen finden in den Räumen des LAC, an weiteren Schauplätzen in Lugano sowie im Stadtraum statt.

Das Lugano Dance Project entstand aus einer Idee von Carmelo Rifici und Michel Gagnon. Kuratiert wird die Ausgabe von Carmelo Rifici, Lorenzo Conti und Michel Gagnon. Das Festival bildet den Abschluss einer Tanzsaison, in der am LAC international renommierte Ensembles zu Gast waren. Zugleich unterstreicht es die Ausrichtung des Hauses auf zeitgenössische künstlerische Ausdrucksformen.

Die dritte Ausgabe steht unter dem Thema «Tanz und kulturelles Erbe». In einer Zeit, die von Kriegen, wirtschaftlicher Unsicherheit, Klimakrisen, sozialen Ungleichheiten und digitalen Umwälzungen geprägt ist, stellt das Festival Fragen nach Erinnerung, Weitergabe und Zukunft. Was hinterlassen heutige Generationen den kommenden? Wie lassen sich Körperwissen, Bewegungserinnerungen und künstlerische Praktiken bewahren, weitergeben und neu erfinden? Und wie kann Tanz Identität, Kontinuität und neue Formen des Erkennens schaffen?

«Wir haben beschlossen, diese Ausgabe des Lugano Dance Project dem Thema ‹Tanz und kulturelles Erbe› zu widmen, da wir fest davon überzeugt sind, dass Weitergabe bedeutet, das, was wir aus der Vergangenheit als Erbe erhalten haben, im Lichte der Kriterien unserer heutigen Zeit mit ihrem Wertesystem, ihren Herausforderungen und ihren Bedürfnissen zu bewahren, aber auch weiterhin Kultur zu produzieren und die Voraussetzungen zu schaffen, damit künftige Generationen ihr eigenes Erbe gestalten können», erklären die Kuratoren.

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Eröffnet wird das Festival am Mittwoch, 10. Juni, um 20 Uhr in der Sala Teatro des LAC mit der Schweizer Erstaufführung von «Kontakthof – Echoes of ’78». Eine zweite Vorstellung findet am Donnerstag, 11. Juni, um 21 Uhr statt. Das Stück wurde von der australischen Choreografin Meryl Tankard konzipiert und inszeniert. Fast fünfzig Jahre nach der Uraufführung von «Kontakthof», einer prägenden Kreation von Pina Bausch, arbeitet Tankard, die selbst als Tänzerin in dem Stück mitwirkte, erneut mit Tänzern zusammen, die einst mit der deutschen Choreografin gearbeitet haben.

«Kontakthof – Echoes of ’78» ist eine Koproduktion des LAC mit zahlreichen internationalen Partnern und knüpft an einen Wunsch von Pina Bausch an. Bereits während der Proben im Jahr 1978 soll sie sich vorgestellt haben, dass dieselbe Gruppe von Tänzern das Werk viele Jahre später nochmals interpretieren würde. In der neuen Inszenierung treten Archivaufnahmen und heutige Darsteller in einen Dialog. So entsteht eine berührende Reflexion über das Vergehen der Zeit und über das Verhältnis von Vergangenheit und Gegenwart.

Am Donnerstag, 11. Juni, um 19 Uhr wird im Palazzo dei Congressi «Music Music Histoire(s) du Théâtre VII» von Trajal Harrell gezeigt, nur wenige Tage nach der Weltpremiere bei den Wiener Festwochen. Harrell gehört zu den prägenden Persönlichkeiten der zeitgenössischen Tanzszene und wurde 2018 von der Zeitschrift «Tanz» zum «Tänzer des Jahres» gekürt. Sein neues Werk ist ein intimes und intensives Solo über die Transformation von Körper, Herz und Gedanken. «Music Music» ist das siebte Kapitel der Reihe «Histoire(s) du Théâtre» und rückt Musik als zentrales Element seiner künstlerischen Praxis in den Mittelpunkt.

Am Freitag, 12. Juni, zwischen 15 und 18.30 Uhr sowie am Samstag, 13. Juni, zwischen 10 und 18 Uhr wird in der Sala Refettorio des LAC «Je suisse (or not)» gezeigt, ein Stück von und mit der Tessiner Künstlerin Camilla Parini. Die vom Kollektiv Treppenwitz produzierte Performance bewegt sich zwischen Realität und Fantasie, zwischen der Unfähigkeit, sich selbst zu definieren, und dem Bedürfnis, von sich zu erzählen. Parini tut dies, während sie eine Eisbärenhaut trägt. Die Vorstellung ist für jeweils ein bis zwei Zuschauer konzipiert und in Italienisch, Französisch, Deutsch und Englisch zu sehen.

Ebenfalls am Freitag, 12. Juni, um 19 Uhr und um 21.30 Uhr steht im Teatro Foce «Our Times» auf dem Programm. Konzept und Choreografie stammen von Yasmine Hugonnet. Die Schweizer Tänzerin und Choreografin wird auf der Bühne von Stephanie Bayle und Ilaria Quaglia unterstützt, während Michael Nick die Aufführung live musikalisch begleitet. Das eigenständige und flexible choreografische Format lädt zu einer geteilten Präsenz ein. «Our Times» ist eine Koproduktion des LAC und des Théâtre Vidy in Lausanne.

Yasmine Hugonnet hat gemeinsam mit Silvia Costa auch Konzept und Choreografie von «Parentèle – Première relation» entwickelt. Das Werk ist am Sonntag, 14. Juni, um 11 Uhr im Teatro Foce zu sehen und entstand aus einer ersten künstlerischen Residenz am LAC. Es geht aus dem Bedürfnis hervor, die Kluft zwischen Beruf und Elternschaft zu hinterfragen und zu überwinden. Die Protagonisten sind Choreografinnen, die zugleich Mütter sind und gemeinsam mit ihren Kindern auf der Bühne stehen.

Das Festival endet am Sonntag, 14. Juni, um 16 Uhr mit einer Weltpremiere in der Sala Teatro des LAC: «White Space» von Kyle Abraham. Der visionäre amerikanische Choreograf verbindet klassischen Tanz, zeitgenössischen Tanz und Hip-Hop zu einem eigenständigen Stil.

Der Samstag, 13. Juni, ist «The Gathering» gewidmet, einem Projekt von Omar Rajeh. Rajeh zählt zu den herausragenden Persönlichkeiten der internationalen zeitgenössischen Szene. Seine Arbeiten verbinden eine starke körperliche Präsenz mit choreografischem Denken von politischer Tragweite.

Um 18 Uhr wird in der Agorà des LAC «Soul(s) Power» aufgeführt. Der tunesische Choreograf und Tänzer Hamdi Dridi steht dabei gemeinsam mit drei Performern auf der Bühne und lädt das Publikum in seine künstlerische Vorstellungswelt zwischen urbanem und zeitgenössischem Tanz ein. Im Zentrum steht eine intensive und freudvolle Körperlichkeit, die den Kern seiner Poetik bildet.

Um 19.30 Uhr folgt im Teatrostudio «Prelude to violence» von Ghida Hachicho, einer der interessanten Persönlichkeiten der zeitgenössischen libanesischen Szene. Gemeinsam mit Mounzer Baalbaki bringt Hachicho ein Werk mit dokumentarischem Charakter auf die Bühne. Ausgehend von einem gewalttätigen Konflikt zwischen zwei Schimpansengruppen in den 1970er Jahren, der mit der Auslöschung einer der beiden Gruppen endete, analysiert das Stück territoriale Gewalt und die Gefahr ihrer Wiederholung.

Um 21.30 Uhr findet auf der Piazza Bernardino Luini «Dance People» statt. Konzept, Choreografie und Darbietung gestalten Omar Rajeh und sieben Performer gemeinsam. Mit einer heterogenen Künstlergruppe laden Omar Rajeh und Mia Habis das Publikum ein, Teil eines kollektiven kreativen Moments zu werden.

Begleitet wird dieser Festivaltag von zwei Workshops. «Dabke with Omar Rajeh» widmet sich dem traditionellen libanesischen Tanz und richtet sich an Profis und Laien. «Maqam with Elise Bruyère & Nunzio Perricone» richtet sich an Profis und führt in Maqam ein, eine Methode, die Rajeh selbst in über fünfzehn Jahren Arbeit entwickelt hat. Ab 22.30 Uhr schliesst ein DJ-Set in der Halle des LAC den Tag ab.

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Neben den Aufführungen bietet das Lugano Dance Project auch Workshops, Gespräche und Podiumsdiskussionen

Am Donnerstag, 11. Juni, findet von 10 bis 13 Uhr in Saal 1 «Tool de Suisse – Instrumente für Produktion und Tournee-Vertrieb» statt, ein von Reso – Rete Danza Svizzera organisierter Arbeitsvormittag für Produktions- und Vertriebsleiter sowie Fachleute der Branche. Nach einer Experimentier- und Diskussionsrunde zu operativen Praktiken folgt eine Podiumsdiskussion, moderiert von Cristina Galbiati, Künstlerin und Co-Präsidentin von t. Professioni dello spettacolo Svizzera.

Am selben Tag findet von 14 bis 17 Uhr in Saal 1 «Focus Danse & Dramaturgie» statt, eine Podiumsdiskussion unter der Leitung von Kylie Walters, Direktorin von Sévelin 36 in Lausanne. Daran nehmen drei Paare aus Choreografen und Dramaturgen aus der Deutschschweiz, der Romandie und der italienischen Schweiz teil. Die Veranstaltung beginnt mit der Vorstellung des gleichnamigen Residenz-Austauschprogramms, an dem sieben Partnertheater, darunter das LAC, sowie vierzehn Künstler aus der ganzen Schweiz beteiligt sind.

Am Freitag, 12. Juni, um 11 Uhr hält Cecilia Bengolea in Saal 1 einen Vortrag zum Thema des Festivals. Die argentinische multidisziplinäre Künstlerin erforscht in ihrer künstlerischen Praxis den Körper als Ort der Erinnerung, Empathie und des emotionalen Austauschs.

Am Samstag, 13. Juni, moderiert die Tanzkritikerin und -wissenschaftlerin Emily May zwischen 15 und 17 Uhr in Saal 1 die Podiumsdiskussion «Dance & Heritage». Daran nehmen zentrale Künstler des Festivals teil. Kyle Abraham, Chiara Bersani, Yasmine Hugonnet und Omar Rajeh setzen sich mit dem Thema Erbe auseinander und diskutieren, wie individuelle und kulturelle Geschichten die im Festival präsentierten Werke beeinflussen.

Am Sonntag, 14. Juni, um 10 Uhr spricht Cathy Levy, Beraterin für internationale Beziehungen der Jacob’s Pillow Foundation, in Saal 1 mit Emily May über das Konzept des Vermächtnisses in der nordamerikanischen Tanzszene. Um 14 Uhr kuratiert Chiara Bersani auf der Piazza Bernardino Luini eine Performance in Zusammenarbeit mit Studenten des Atelier Blumer der USI Accademia di Architettura in Mendrisio.

Auch Filmvorführungen gehören zum Programm. Am Freitag, 12. Juni, um 16.30 Uhr stellt Cecilia Bengolea im Cinema Iride in Lugano vier Videoarbeiten vor: «Bombom’s Dream», «Lightning Dance», «Return to Bog Walk» sowie «Spin and Break Free. I 600 fili».

Das Lugano Dance Project ist eine Produktion von LAC Lugano Arte e Cultura. Kuratiert wird das Festival von Carmelo Rifici, Lorenzo Conti und Michel Gagnon. Festival-Förderer ist The KHR McNeely Family Fund, Kevin, Rosemary und Hannah Rose McNeely. Festivalpartner ist die Franklin University Switzerland. Unterstützt wird das Festival von Lugano Region, Pro Helvetia – Schweizer Kulturstiftung und Fondazione Lugano per il Polo Culturale.

Das vollständige Programm ist unter www.luganodanceproject.ch verfügbar.

 
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