Papiliorama lädt zu «Flügelschlag und Fadentanz»
Seit ihrer Kindheit begleiten Musik und Textilkunst das Leben von Martina Frank – zwei Bereiche, die in ihrem Elternhaus stets präsent waren. Bei der Berufswahl entschied sie sich für die Musik: Sie ist klassische Pianistin, suchte jedoch in der Handarbeit stets einen visuellen Ausgleich zu ihrer akustischen Tätigkeit.
So verbinden sich heute Musik, die Herstellung hochwertiger Kleidung und seit einigen Jahren auch raffinierte Stickereien zu einem harmonischen Ganzen. Während der Coronavirus-Pandemie entstanden die ersten gestickten Schmetterlinge – aus Freude an Formen und Farben, inspiriert von präparierten Vorlagen.
Das Angebot an präparierten Schmetterlingen ist beeindruckend, doch diese Tiere müssen gezüchtet oder gefangen, getötet und gerahmt werden – allein zu dekorativen Zwecken. Für Martina Frank ist das ein absolutes No-Go. Deshalb wählte sie einen anderen Weg: Sie «malt» ihre Schmetterlinge mit der Nadel auf Seide, in unzähligen naturgetreuen Farbabstufungen, die sie anhand von Fotos lebender Tiere mit grösster Präzision umsetzt.
Die kleinen Kunstwerke werden vollständig von Hand gefertigt, nicht auf den Hintergrund gestickt, sondern aus einzelnen Teilen zusammengesetzt. Jeder Schmetterling ist ein Unikat, ganz wie in der Natur. Erst beim genauen Hinsehen erkennt man, dass es sich nicht um ein echtes Tier handelt – sondern um ein «fast echtes».
Dies erfordert höchste Genauigkeit, viel Zeit, Geduld, Leidenschaft und eine immense Palette an Seiden- und Baumwollstickgarnen. Obwohl inzwischen rund 600 verschiedene Farben zur Verfügung stehen, bleibt die Auswahl eine Herausforderung: Natürliche Farbtöne lassen sich mit künstlichen Nuancen nie vollständig identisch wiedergeben. Umso erstaunlicher ist das perfekte Gesamtergebnis.
Die Arbeit, die in absoluter Stille und Konzentration ausgeführt wird, hat für Martina Frank einen meditativen Charakter. Was als Hobby begann, ist für sie zu einer täglichen Leidenschaft und zu einer Art Mission geworden: kein Töten von Tieren nur zu dekorativen Zwecken. Ihre Arbeit versteht sie als kleinen Beitrag zum Schutz dieser geflügelten Wunder der Natur.
Die ausgestellten Schmetterlinge stehen zum Verkauf. Zehn Prozent des Verkaufspreises werden an das Papiliorama gespendet, um das Homerus-Projekt in Jamaika zu unterstützen.
Der Homerus ist der grösste Schwalbenschwanz Amerikas und lebt nur an zwei Orten der Insel. Das Papiliorama engagiert sich seit 2008 finanziell und operativ für seinen Schutz – ein Einsatz, der umso wichtiger geworden ist, seit Hurrikan Melissa grosse Teile seines Lebensraums zerstört hat.
Die Ausstellung ist bis zum 15. März 2026 zu sehen.